StudienOktober 2026

Sichtbar für KI? Teil 2: Werden gut vorbereitete Websites häufiger genannt?

Wir haben Gemini, der KI-Suche von Google, 53 Fragen nach lokalen Anbietern in Kerzers, Murten und Ins gestellt, jede neun Mal. Das Ergebnis: Betriebe mit besser vorbereiteter Website werden nicht häufiger genannt. Gemini kennt die meisten Betriebe ohnehin und stützt sich stark auf Verzeichnisse wie search.ch und local.ch.

Tobias Bolliger, veravis · veröffentlicht am

Das Wichtigste in Kürze

  • 0.52Konkordanzindex C zwischen Punktzahl und Nennung. 0.50 heisst: kein Zusammenhang (p = 0.79).
  • 68 %der Antworten nennen einen passenden Betrieb aus der Stichprobe im Durchschnitt. Gemini kennt die meisten.
  • 86 %der Antworten stützen sich auch auf Verzeichnisse, Bewertungsportale oder soziale Medien.
  • 15 %aller Quellen stammen von search.ch und local.ch, den zwei häufigsten Quellen.
  • 55 %der Antworten zu einem Betrieb nutzen dessen eigene Website als Quelle.
  • 0.91Übereinstimmung zwischen zwei Läufen derselben Frage (1 heisst identisch). Gemini antwortet sehr stabil.

477 Antworten auf 53 Fragen mit 125 Betrieben aus Teil 1, erhoben am 30. Oktober 2026 über die Gemini-Schnittstelle mit Google-Suche.

Werden Betriebe mit besserer Website häufiger genannt?

Nein. Wir haben nur Betriebe verglichen, die zur selben Frage passen. In 129 solchen Vergleichen hatte der häufiger genannte Betrieb in 52 % der Fälle die höhere Punktzahl im GEO-Check. Das ist praktisch Zufall (95-%-Vertrauensbereich 0.37 bis 0.68).

Auch wenn man Google-Bewertungen, Medienberichte, das Alter der Website und die Linkpopularität berücksichtigt, bleibt kein Zusammenhang (Odds Ratio der Punktzahl 0.88). Keines dieser Merkmale zeigt für sich einen gesicherten Einfluss.

Ein starker Zusammenhang ist damit unwahrscheinlich, ein schwacher nicht ausgeschlossen. 78 der 132 Paare aus Frage und Betrieb wurden in allen neun Antworten genannt. In kleinen Orten mit zwei oder drei Anbietern pro Branche nennt Gemini meist alle.

  • Alle Betriebe (132 Paare)68 %
  • Schwach (unter 50 Punkte, 18 Paare)70 %
  • Mittel (50 bis 79 Punkte, 84 Paare)71 %
  • Gut (80 und mehr Punkte, 30 Paare)60 %
Durchschnittliche Nennungsrate nach Stufe im GEO-Check aus Teil 1. Der eigentliche Test vergleicht nur Betriebe derselben Frage (nachträglich).

Woher nimmt Gemini seine Empfehlungen?

Die 477 Antworten verweisen auf 4883 Quellen, im Median 10 pro Antwort. Die zwei häufigsten sind die Telefonbücher search.ch und local.ch, gefolgt vom Tourismusportal der Region Freiburg. 86 % der Antworten stützen sich auf mindestens ein Verzeichnis, Bewertungsportal oder soziales Netzwerk.

Bei 19 % der Nennungen steht nur der Name im Text, ohne dass die Website des Betriebs als Quelle dient. Selbst Betriebe, die ihre Startseite mit «noindex» gesperrt haben, wurden genannt (nur zwei Fälle). Ihre Nennung kam aus anderen Quellen.

  • Websites der Betriebe aus der Stichprobe22 %
  • Verzeichnisse, Bewertungen, soziale Medien21 %
  • davon search.ch8.1 %
  • davon local.ch6.7 %
  • davon fribourg.ch4.8 %
  • andere Websites57 %
Alle 4883 Quellen der 477 Antworten nach Art. Die drei häufigsten Plattformen gehören zu den Verzeichnissen; alle Anteile beziehen sich auf alle Quellen.

Was können KMU daraus mitnehmen?

Für die Frage, ob Gemini einen lokalen Betrieb nennt, zählt die Präsenz im Netz mehr als der Feinschliff der Website.

  • Einträge bei search.ch und local.ch prüfenSie sind die häufigsten Quellen von Gemini. Name, Adresse, Telefon, Website und Branche sollten stimmen und vollständig sein.
  • Google-Unternehmensprofil pflegenFast alle Betriebe haben eines (121 von 125). Vollständig, mit verlinkter Website, aktuellen Öffnungszeiten und Bewertungen.
  • In regionalen Portalen vorkommenTourismusportale, Gemeindeverzeichnisse und Gewerbevereine gehören zu den häufigen Quellen.
  • Die Website nicht vernachlässigenIn 55 % der Antworten zu einem Betrieb ist sie verlinkt. Die Empfehlungen aus Teil 1 bleiben richtig, vor allem für ChatGPT.
  • Selbst nachfragenGemini antwortet sehr stabil. Zwei oder drei Fragen, wie sie die eigene Kundschaft stellt, zeigen, ob und wie der Betrieb vorkommt und aus welchen Quellen.
  • Keine Wundermittel kaufenNiemand kann eine Nennung garantieren. Eine besser vorbereitete Website führte bei Gemini nicht zu mehr Nennungen.

Wie wurde gemessen?

Fragen: 53 Fragen, wie sie Kundinnen und Kunden stellen, etwa nach einer Garage in Ins oder einem Hotel in Murten, für jede Branche und jeden Ort mit Betrieben aus Teil 1. Zu jeder Frage war vorab festgelegt, welche Betriebe passen. Jede Frage wurde neun Mal an gemini-3.8-flash mit Google-Suche gestellt.

Messung: Ein Betrieb gilt als genannt, wenn seine Website als Quelle verlinkt ist oder sein Name im Text steht. Mehrdeutige Namen wurden einzeln geprüft, ohne Kenntnis der Punktzahl. Ausgewertet wurde mit dem Konkordanzindex C innerhalb jeder Frage, einem Permutationstest und einer bedingten logistischen Regression.

Vorab festgelegt: Hypothesen, Messung und Auswertung standen in einem Studienprotokoll fest, bevor die erste Frage gestellt wurde. Abweichungen und nachträgliche Auswertungen sind im Whitepaper ausgewiesen.

Grenzen: Die Ergebnisse gelten für Gemini über die Programmierschnittstelle am 30. Oktober 2026 und für kleine Orte mit wenigen Anbietern pro Branche. ChatGPT, Perplexity und Copilot können anders entscheiden.

Interessenbindung: veravis bietet Kurse und Beratung zur Sichtbarkeit in KI-Suchen an. Der GEO-Check aus Teil 1 ist ein eigenes Werkzeug. Die Studie entstand ohne Auftrag und ohne Finanzierung durch Dritte.

Alle Einzelheiten, Tabellen und Abweichungen stehen im Whitepaper (PDF).

Häufige Fragen zu Teil 2

Heisst das, die eigene Website ist für KI-Suchen egal?

Nein. In 55 % der Antworten zu einem Betrieb ist seine Website als Quelle verlinkt. Gemessen wurde nur, ob ein Betrieb genannt wird, nicht wie er beschrieben wird. Ausserdem gilt das Ergebnis für Gemini. Die Bots von ChatGPT und Claude führen kein JavaScript aus und sind stärker auf gut lesbare Websites angewiesen.

Warum nur Gemini?

Gemini greift auf die Google-Suche zu, die in der Schweiz am meisten genutzt wird, und ist damit für lokale Suchen besonders relevant. Geplant waren auch ChatGPT und Perplexity. Aus Aufwand- und Kostengründen haben wir uns auf Gemini beschränkt, dafür jede Frage neun statt drei Mal gestellt.

Wird meine Firma in der Studie genannt?

Nein. Die Studie nennt keine einzelnen Betriebe, weder auf dieser Seite noch im Whitepaper oder in den Daten, die wir auf Anfrage weitergeben.

Warum veröffentlicht veravis ein Ergebnis, das gegen den eigenen GEO-Check spricht?

Weil wir es vor der Erhebung so zugesagt haben. Hypothesen und Auswertung standen in einem Studienprotokoll fest, bevor die erste Frage gestellt wurde. Ein Ergebnis, das nur bei passendem Ausgang veröffentlicht wird, ist nichts wert.

Darf ich die Ergebnisse zitieren?

Ja, gern mit Quellenangabe: «veravis, Sichtbar für KI? Teil 2: Werden gut vorbereitete Websites häufiger genannt? Whitepaper, Oktober 2026». Studienprotokoll, anonymisierte Daten und Auswertungsskripte stellen wir für Medien und Forschung auf Anfrage zur Verfügung.

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